Keramik für die Praxis

 

 

 

Keramik für die Praxis

Fachtagung skizziert Konstruktionsvielfalt

Erschienen in: ke konstruktion + engineering; juni.2000

München (gt) - Realisierbare Anwendungen standen bei der Fachtagung Technische Keramik in der Praxis in München im Vordergrund. Namhafte Referenten aus der Industrie zeigten interessante Beispiele. Workshops rundeten die informative Veranstaltung ab.

Das Forum der Technik im Deutschen Museum bot rund 80 Werkstoffspezialisten und Konstrukteuren aus dem Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik einen ansprechenden Rahmen rund um das Thema Keramik. Der Veranstalter, das Informationszentrum Technische Keramik , organisierte die Tagung bereits zum dritten Mal mit großer Resonanz. "Auch diesmal haben wir wieder zwei Workshops mit im Programm", erklärte Dipl. Ing. Martin Hartmann vom  Informationszentrum Technische Keramik. "Damit bieten wir den Anwendern und Konstrukteuren die Möglichkeit zu Diskussionen und Erfahrungsaustauschen." In der Technik haben sich keramische Werkstoffe einen festen Platz erobert. Technische Keramik hat sich zunehmend auch als Problemlöser für anspruchsvolle Aufgaben bewiesen. Bauteile aus diesem Werkstoff bieten einen großen Vorteil hinsichtlich Lebensdauer und Zuverlässigkeit. Genau hier herrscht aber bei den Konstrukteuren noch ein Informationsdefizit: Anwendungsmöglichkeiten und das Kosten-/Butzenverhältnis sind vielfach nicht ausreichend bekannt, oder werden falsch eingeschätzt. Aus diesem Grund veranstaltet das Informationszentrum Technische Keramik, das 1996 vom Verband der Keramischen Industrie e.V. ins Leben gerufen wurde, in engere Kooperation mit Mitgliedsfirmen, diese Seminarreihe. Zu den namhaften Mitgliedsunternehmend zählen beispielsweise CeramTec, ETEC, Rauschert, Sembach und Schunk Ingenieurkeramik. Der Starschuss der Tagesveranstaltungen erfolgte diesmal in Düsseldorf und führte über Mannheim nach München. Zielgruppe sind Konstrukteure, Entwicklungsingenieure, Technische Leiter bis hin zu Geschäftsführern. Konstruieren mit Keramik und Entscheidungskriterien zur Auswahl geeigneter Fertigungsverfahren erläuterten Dipl. Ing. Peter Schlagbaum, Leiter Konstruktion und Werkzeugbau bei CeramTec in Lauf, sowie Dipl. Ing. Ines Richter vom Keramikhersteller Sembach, in einem interessanten Zwiegespräch. 

 

Diffiziler Werkstoff brauch den Dialog

"Bereits im Vorstadium einer Neukonstruktion sollte der Dialog zwischen dem Konstrukteur und dem Keramikhersteller beginnen, so dass die Belange der keramischen Technologie noch ausreichend berücksichtigt werden können und eine großindustrielle keramische Fertigung des Bauteils möglich ist", skizziert Schlagbaum die Problematik. "Die Aufbereitung der Arbeitsmassen ist eine wichtige Eingangsgröße für den Formgebungsprozess", erklärt Richter. "Mindestens ebenso entscheidend sind Bauteilkonstruktion und Werkzeugauslegung. Es existieren bereits grundlegende, keramische Konstruktionskriterien, die hierbei beachtet werden müssen."

Einen interessanten Einblick in den Kosten-Nuten-Vergleich keramischer Bauteile gab Dr.-Ing. Hans-Jürgen Pohlmann von TeCe, Technical Ceramics in Selb. "Keramische Rotoren für Exzenterschneckenpumpen zeigen beispielsweise, dass bisher aus Metall gefertigte Rotoren in aggressiven Medien einen starken Verschleiß unterliegen", so Pohlmann. "Neu entwickelte Rotoren aus SiC-Keramik haben eine bis zu 20-fach höhere Standzeit und ermöglichen gleichzeitig die Anwendung dieser Pumpen in neuen Anwendungsfeldern. Der Preis der Keramik-Rotoren ist deutlich höher, als der für Metall-Rotoren. Jedoch unter Berücksichtigung des Verhältnisses von Kosten zu Nutzen schneiden die keramischen Pendants durch ihre extrem lange Standzeit vorteilhafter ab." Ein wichtiger Aspekt ist laut Pohlmann jedoch auch die Überzeugungsarbeit beim Kunden, denn jeder Einkäufer scheut in erster Linie Bauteilkosten, die um den Faktor 10 höher sind als das konventionelle Produkt. Dabei amortisieren sich die Keramik-Bauteile oft schon nach wenigen Wochen.

Bei der Tagesveranstaltung standen auch Themen wie Tribologie, Verschleiß, Eigenschaftsprofile von Hochleistungskeramiken sowie Perspektiven der Keramik für das neue Jahrtausend auf dem Programm.
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02. September 2005

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